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Evangelische
Kirchengemeinde Neresheim
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| Evangelische Kirchengemeinde Neresheim
Evangelische Kirchengemeinde Schweindorf |
Kirchengeschichte
Die
Geschichte der Evangelischen Kirchengemeinde Neresheim beginnt Anfang des 19.
Jh. als Neresheim 1810 zu Württemberg kam und Oberamtsstadt wurde. Davor hatte
Neresheim während des dreißigjährigen Krieges im Jahr 1634 für wenige Monate
einen evangelischen Pfarrer. Dieser wurde am 5. August desselben Jahres von
kaiserlichen Truppen getötet. Danach blieb das Härtsfeld mit Neresheim für
weitere zwei Jahrhunderte rein katholisches Gebiet. Eine Ausnahme war
Schweindorf, das zum evangelischen Nördlingen gehörte und deswegen das einzige
evangelische Dorf des Härtsfeldes war. Anfänge
und Probleme der Diasporagemeinde Mit
den großen politischen Umwälzungen nach dem Reichsdeputationshauptschluss
(1803) und der Neubildung der deutschen Staaten kamen viele katholische Gebiete
zum evangelischen Württemberg, unter anderem auch das Härtsfeld. Die ersten
Evangelischen in der neuernannten Oberamtsstadt waren vermutlich dahin versetzte
Beamte des Oberamtes und des Amtsgerichtes. Am 10. April 1811 schreibt der
Aalener Diakon Ganz dem „Hocherwürdigen
Herr Collega“ nach Schweindorf, dass er Bericht nach Stuttgart erstatten
soll, „ob und gegen welche Remuneration
(= Vergütung) Sie geneigt sein würden alle 14 Tage oder alle 3 Wochen einen
Gottesdienst in Neresheim zu hatten“. Trotz dieser Anfrage, die schon früh
die Diasporasituation der wenigen Evangelischen in Neresheim wahrnahm, kam
jahrzehntelang keine Gottesdienstregelung zustande. Die Evangelischen ließen
sich davon aber nicht entmutigen und verstanden sich bald als kleine Gemeinde,
was ein eigenes Tauf-, Ehe- und Totenregister, das seit 1827 für die
Evangelischen in „Stadt und Schloss
Neresheim“ geführt wird, zum Ausdruck bringt. Von weiteren Anstrengungen,
die Evangelischen zu sammeln, erfahren wir aus dem Jahr 1828, in dem das „Koeniglich
evangelische Consistorium“ dem Dekanatamt in Aalen beschied, „daß
man es ganz angemaßen finde, wenn die evangelischen Einwohner vom Schloss
Neresheim ( gemeint ist das Kloster, A.d.V.) in dieselbe evangelische Pfarrei wie die Evangelischen der Stadt
Neresheim eingepfarrt werden“. Und so wurde die kleine evangelische
Minderheit in Stadt und Schloss bei Bedarf von den Schweindorfern Pfarrern
betreut. 1838 hatte sich der Schweindorfer Pfarrer bereit erklärt, alle 4
Wochen sonntags eine Predigt und vierteljährlich eine Kommunion (Abendmahl) in
Neresheim zu halten. Ein Gesuch der Evangelischen an die Stadt Neresheim, dafür
die „Gottesackerkirche“, die
heutige Friedhofskapelle, benutzen zu dürfen, wurde durch einen
gemeinschaftlichen Beschluss von Stadtrat und Bürgerausschuss „in
ziemlich unfeiner und gehässiger Weise“ abschlägig beschieden.
Offensichtlich machte diese Situation, nicht wenigstens gelegentlich einen
eigenen Gottesdienst zu haben, den damals 67 Evangelischen doch ziemlich zu
schaffen, denn sie entwarfen einen Brief an den Fürsten von Thurn und Taxis,
von dem sie wegen dessen evangelischer Mutter mehr Verständnis für ihre Lage
erwarteten, und schrieben darin: „Zur Förderung
ihres geistlichen Sinnes und Lebens wird von sämtlichen evangelischen
Glaubensgenossen im Schloss
und in der Stadt Neresheim der Wunsch täglich lauter einem von Zeit zu Zeit in
einer der städtischen Kirchen abzuhaltenden Gottesdienst anwohnen zu können.
Unter den hiesigen evangelischen Einwohnern befinden sich viele, die teils wegen
Alters, teils wegen häuslicher und geschäftlicher Verhältnisse einen so
weiten und beschwerlichen Weg in die nächste evangelische Kirche Schweindorf
nicht nehmen können, und diese entbehren daher oft Jahre lang aller
konfessionellen gottesdienstlichen Tröstungen und Belehrungen. Die Folge
hiervon ist häufig entweder eine vollkommene Lauheit gegen alle öffentlichen
Gottesverehrungen oder ein höchst verderblicher Indifferentismus“. Der
Fürst bot den Gartensalon an, der aber ungeeignet war. Auch Klosterkirche und
Turmkapelle dort standen zur Diskussion und man versuchte noch einmal über das
Stuttgarter Konsistorium auf die Stadt wegen der Gottesackerkirche einzuwirken,
aber alle Versuche und Überlegungen zerschlugen sich trotz großen Engagements
einzelner Evangelischer, wie z. Bsp. des Dominialrats Seiber. Die Neresheimer
mussten also weiter nach Schweindorf in die Kirche oder gingen eben nicht.
Trotzdem fiel die kleine Gemeinde nicht auseinander, sondern es sind aus dem
Jahr 1851 Überlegungen überliefert, für Neresheim einen eigenen
Pfarrgemeinderat einzuführen und das bedeutete, sich zwar mit Schweindorf den
Pfarrer zu teilen, aber als Kirchengemeinde doch langsam Selbständigkeit zu
entwickeln. Die Oberamtmänner, Gerichts- und Verwaltungsactuare und Dominialräte
waren sich ihres Standes und ihrer Konfession doch so bewusst, dass sie diese
Entwicklung stetig vorantrieben. So nahmen sie 1859 einen erneuten Anlauf und
baten, dass „auf Kosten des Staats eine
evangelische Kirche in dieser Stadt erbaut und ein ständiger Geistlicher
daselbst angestellt werden". Erneut trugen die Evangelischen 1864 beim
Königlichen Konsistorium in Stuttgart den Wunsch vor, eine ständige
Pfarrverweserei in Neresheim einzurichten. Da aber schon einige Jahre vorher die
Evangelische Kirchengemeinde Kapfenburg, die seit 1853 bestand, einen
Pfarrverweser zugeteilt bekam, überlegte man sich nun in Stuttgart , wie man
sich das nur an einem Schreibtisch überlegen kann , die Betreuung der beiden
kleinen Diasporagemeinden zusammenzulegen, denn die Kapfenburger hatten sich
ganz energisch dagegen gewehrt, die Pfarrverweserei nach Neresheim abgeben zu müssen.
Zahlenmäßig waren die Evangelischen um die Kapfenburg etwas mehr als die in
Neresheim, die im Jahr 1871 86
Seelen zählten. Pastorales
Provisorium So
kam Neresheim also am 1. Juli 1865 in die Obhut des Pfarrverwesers auf der
Kapfenburg. Am 17. Sept. 1865 fand dann , man glaubt es kaum nach jenem ersten
Schreiben von 1811 , der erste evangelische Gottesdienst in Neresheim im Prälaturgebäude
des Klosters statt, nachdem „durch höchste
Resolution Seiner Durchlaucht, unseres gnädigsten Fürsten und Herrn“ und
durch die Zusicherung der Gemeinde mit dem Raum ganz gewiss auch sorgfältigst
umzugehen der Ort dazu „in vorübergehender
Weise“ zur Verfügung stand. Zwei
weitere Versuche, 1868 und 1875, den Sitz der Pfarrverweserei doch noch von der
Kapfenburg nach Neresheim zu verlegen, blieben erfolglos. In der Praxis war die
am Schreibtisch so elegant ersonnene Zusammenlegung der beiden kleinen Gemeinden
mit großen Schwierigkeiten verbunden. Die schlecht bezahlten Pfarrverweser
mussten die 20 km von der Kapfenburg nach Neresheim der Fahrtkosten wegen zu Fuß
gehen. Bei gutem Wetter schafften sie das in 3 1/2 Stunden. Im Winter war es
aber anders, wie Aussagen der Betroffenen bezeugen: „...
allein an mehreren Stellen Wildwasser, daher abgehen vom Weg; Zeit 5 1/2
Std.!!“ Wenn die Wetterverhältnisse einmal zu schlecht waren oder sie
schon halb krank waren, ließen sie sich fahren, was ihnen dann aber finanziell
fast zum Verhängnis wurde: „Leiche in
Neresheim ... Fahrt von Kapfenburg nach Neresheim und zurück im selbstbezahlten
Gefährt. Unersetzte Auslagen 12 M.“ Und nicht selten hieß es wohl wie im
Januar 1892 auf der Kapfenburg: „Predigt
fällt aus wegen Krankheit des Pfarrverwesers. Heftiger Lungenkatarrh, zugezogen
bei der Neresheim Fahrt.“ Zwar konnte man von der damals neuerbauten
Bahnstation Lauchheim mit der Bahn von Lauchheim nach Bopfingen und von dort mit
der Post nach Neresheim weiterfahren, aber das dauerte länger als bei gutem
Wetter der Weg zu Fuß und teurer war es allemal. In
jener Zeit der Zugehörigkeit zur Kapfenburg wurde Carl Bonhoeffer,
Vater Dietrich Bonhoeffers und einer der Psychiatriepioniere in Deutschland,
1868 vom Kapfenburger Pfarrer Rau getauft. Dietrich Bonhoeffers Großvater
Friedrich Bonhoeffer war von 1859 bis 1869 Gerichtsaktuar am Neresheimer
Amtsgericht. Das
pastorale Provisorium hielt 42 Jahre bis zum Jahr 1907, als Neresheim als
Filialgemeinde wieder zur Muttergemeinde Schweindorf kam. Offiziell aufgelöst
wurde diese Gesamtkirchengemeinde Schweindorf- Neresheim im Zuge einer
Rechtsbereinigung erst 1992. Suche
nach einem geeigneten Raum für die Gottesdienste Die
Gottesdienste der Evangelischen wurden im Prälaturgebäude des Schlosses nur
zwei Jahre lang abgehalten. 1867 kaufte die evangelische Gemeinde das
,,Kastenhaus“ in der Hauptstraße, das ehemalig Fürstlich Wallersteinsche
Rentamtsgebäude, für 5000 Gulden und richtete darin einen Betsaal her. Im
Untergeschoss des Gebäudes hatte die Stadt das Recht einen Schrannenmarkt
abzuhalten, die Wohnung im ersten Stock neben dem Betsaal war vermietet,
zeitweilig an den Amtsarzt. Von
Baumaßnahmen aus dieser Zeit berichtet der ,,Bote vom Härtsfeld“ – Amts-
und Anzeigenblatt für den Oberamtsbezirk Neresheim – im Sommer 1893: ,,
...Das sog. Kastenhaus, in welchem sich der Betsaal der evangelischen
Kirchengemeinde befindet und auch Eigentum derselben ist, erhält einen
stattlichen Turm, sogenannter ,,Dachreiter“, zur Aufnahme von zwei Glocken von
mittlerer Schwere. Derselbe erhebt sich etwa 12 Meter über dem Dachfirst. ...
Das fertige Bauwerk verspricht eine recht nette Zierde unserer Stadt zu
werden.“ Die Kosten für Glockenturm und Glocken beliefen sich auf etwa
3 500 Mk. Durch einen Staatsbeitrag von 800 Mk, ,,den seine Majestät unser König gnädigst verwilligte“ und
durch jahrelange Beiträge des Gustav-Adolf-Vereins konnte das Projekt ausgeführt
werden. Fast genau 50 Jahre lang taten die Glocken ihren Dienst. ,,1942
mussten die Neresheimer Kirchenglocken in den Krieg“ schrieb der
Stadtchronist. Da wurden zwei Glocken der Friedhofskirche und eine
Rathaus-Glocke am gleichen Tag ausgebaut und zusammen mit den Dorfmerkinger
Glocken am 16. März nach Unterkochen transportiert. Zum Zwecke der
Wiederbeschaffung nach dem Krieg wurden Beschreibungen und Fotos von den Glocken
gefertigt. Auf
Dauer allerdings war die Lösung eines Gebetssaals in einem auch stark
anderweitig genutzten Gebäude wohl schwierig. Das Gebäude war zu groß und im
Unterhalt teuer, die Situation des Gebetssaals unbefriedigend, so dass die
Kirchengemeinde in Verhandlungen mit der Stadt eintrat, um ihr das Kastenhaus zu
verkaufen. Die Stadtverwaltung war in verschiedenen Rathauslokalen untergebracht
und suchte eigentlich ein genügend großes und repräsentatives Gebäude, wofür
sich das Kastengebäude anbot. Nach langwierigen Verhandlungen , die Stadt war
arm, der damalige Stadtschultheiß Müller pokerte auf Zeit und den
Evangelischen war ihre Minderheitensituation in der Entscheidungsfindung des
Stadtgemeinderats wieder einmal keine große Hilfe ‑ kam es 1913 zu einem
Verkauf des Gebäudes für 23000 Mark an die Stadt. Geschätzt war das Gebäude
auf 45000 Mark. Die Stadt bezahlte in Raten, dafür durfte die Kirchengemeinde
den Betsaal im Gebäude noch bis 1929 uneingeschränkt nutzen. Zwei Jahre vor
dem Verkauf hatte sich die Kirchengemeinde zu Beginn der Verhandlungen schon an
den Fürsten von Thurn und Taxis in Regensburg gewandt, um anzufragen, ob er
bereit wäre, der Kirchengemeinde das Gelände oberhalb des Bahnhofs für einen
Kirchenneubau zu verkaufen. Aber der katholische Oberamtsbaumeister, der von den
Verhandlungen mit der Stadt erfahren hatte, kam der Kirchengemeinde zuvor und
kaufte privat besagtes Grundstück vom Fürsten. Diese Vorgehensweise befremdete
den Bezirksnotar Wirth zwar, der für die evangelische Kirchengemeinde die
Verhandlungen führte, machte ihm aber keine größere Sorgen, da die
Kirchengemeinde den Betsaal weiter nutzen konnte. Ökumenische Offenheit war
damals noch nicht sehr weit gediehen. 1926 wird mit der Stadt vereinbart, dass
die Kirchengemeinde nach 1929 den Betsaal für weitere 12 Jahre bis 31.3.1941
benutzen darf. Nach dem Krieg richtete die Evangelische Kirchengemeinde dann im
Haus Franzke (heute Zuckermann, gegenüber der Gärtnerei Lehnert) wieder einen
Betsaal her und benutzte laut Erinnerung einiger älterer Neresheimer
gelegentlich auch die Friedhofskapelle als Gottesdienstraum bis zum Neubau der
heutigen evangelischen Kirche im Jahre 1952.
Bau
der evangelischen Kirche – Beginn der Eigenständigkeit Mit
der Einweihung der heutigen Kirche am 1. Advent 1952 , die Gemeinderäume, Pfarr-
und Mesnerwohnung umfasste, nähern wir uns der Eigenständigkeit der
Kirchengemeinde. Auf den Glockenturm der neuerbauten evangelischen Kirche kam
dann die verbliebene Glocke vom Rathausturm und erfüllt dort seitdem ihre
Aufgabe. Nach dem Krieg wuchs die Zahl der Evangelischen in Neresheim und
Umgebung durch die Flüchtlingsströme aus dem Osten auf ca. 400 Seelen an. Der
damalige Schweindorfer Pfarrer Wagner war für die Betreuung all dieser
Evangelischen mit Gottesdiensten, Religions- und Konfirmandenunterricht und
Seelsorge zuständig und machte sich schon 1947 für die Einrichtung einer Flüchtlingspfarrstelle
stark. Er mahnte diese beim Oberkirchenrat in immer dringlicher und deutlicher
werdenden Schreiben an und rang auch dem damaligen Bürgermeister und Stadtrat
eine Wohnungszuweisung für einen evangelischen Pfarrer in Neresheim ab. In den
Jahren nach dem Krieg waren Pfarrer allerdings knapp, so dass sich Neresheim
noch bis Anfang 1950 gedulden musste, bis als erster Parochialvikar Eberhard
Gaier nach Neresheim kam. Mit dem eigenen Pfarrverweser gewann dann die
Filialgemeinde Neresheim gegenüber der Muttergemeinde Schweindorf ein immer stärkeres
Gewicht, zumal die Evangelischen in Dischingen, Ballmertshofen, Trugenhofen und
Schloss Taxis, die bisher vom Pfarramt Fleinheim versorgt wurden, zu Neresheim
kamen. Es entstand zwischen Neresheim und Schweindorf sogar eine gewisse
Konkurrenzsituation als Vikar Gaier auch noch die Orte Ohmenheim, Frickingen,
Katzenstein, Dunstelkingen, Eglingen, Duttenstein und Demmingen, die bisher als
Diasporaaußenorte zu Schweindorf gehörten, mit nach Neresheim eingemeinden
wollte, was ihm , als ehemaligem Stabsoffizier mit strategischem Vorgehen
vertraut, auch gelang. 1952 waren es dann im stark vergrößerten
Gemeindebezirk Neresheim 705 Evangelische, im verkleinerten Bezirk Schweindorf
333 Evangelische. Seither hat sich die Einteilung der Gemeindebezirke nicht mehr
verändert. Aber nicht nur der damalige Schweindorfer Pfarrer und
Kirchengemeinderat hatten Zweifel, ob diese Einteilung der Weisheit letzter
Schluss sei, denn 50 Jahre später sind wir wieder mit Pfarrstellenstrukturplänen
beschäftigt und können diese Zweifel gut nachvollziehen. Nachdem die
Kirchengemeinde schon Anfang 1953 eigenständig geworden war, wurde am 1.
Oktober 1953 aus dem Parochialvikariat eine ständige Pfarrstelle. Damit war der
letzte Schritt der Kirchengemeinde in die Selbständigkeit getan. Eberhard Gaier
war ein rühriger erster Pfarrer der Kirchengemeinde Neresheim. 1954 wurde im
Gemeindehaus ein Kindergarten eingerichtet und mit dem Bau des Freizeit- und
Erholungsheims am Sohl begonnen. Gaier ging zielstrebig daran aus dem Haus am
Sohl ein Zentrum neupietistisch erwecklicher Frömmigkeit zu machen, das in der
ganzen Landeskirche schnell bekannt wurde. Er gründete mit den Mitarbeitern und
Mitarbeiterinnen im Haus am Sohl eine Evangelische Kommunität, die
Kreuzbruderschaft, und war kurz davor ein Mutterhaus für diese Kommunität zu
bauen, als er von der Kirchenleitung, deren Unterstützung er lange Jahre
genoss, im April 1964 über Nacht von Dienst und Amt suspendiert wurde, weil es
sich herausgestellt hatte, dass einige Schwestern der Kommunität Kinder von ihm
erwarteten. Für die evangelische Kirchengemeinde, in der es über seine Person
schon nahezu von Anfang an geteilte Meinungen gab, war dies ein schwerer Schlag,
an dem sie lang zu tragen hatte. Der nachfolgende Pfarrer Hirsch konnte die
Wogen wieder beruhigen, aber die grundsätzlichen Fragen über den Gebrauch oder
Missbrauch von Macht im Namen Christi, über Zwang und Freiheit in
Glaubensdingen sind bis heute in der Gemeinde wach. Die Samariterstiftung übernahm
das Haus am Sohl und es entstand eine große diakonische Einrichtung für alte
und behinderte Menschen, in der die diakonischen Ansätze des Hauses am Sohl
unabhängig von der Kirchengemeinde weitergeführt wurden. Von 1968 bis 1970
hatte die Kirchengemeinde in den Anfangsjahren von Pfarrer Richard Schultz drei
große Bauprojekte. Am 1. September 1968 schon war der evangelische Kindergarten
aus dem Gemeindehaus in einen neu erbautes Gebäude in die heutige Karl-Bonhoeffer-Straße
in Neresheim gezogen. Am Ewigkeitssonntag 1969 wurde in Dischingen die
Friedenskirche eingeweiht. Die Evangelischen in Dischingen hatten an Zahl seit
Kriegsende stark zugenommen und engagierten sich sehr für eine eigene Kirche
mit Gemeinderaum. 1970 war dann das neuerbaute Pfarrhaus an der Nördlinger Straße
in Neresheim bezugsfertig. Neresheim ist eine der großen Diasporagemeinde der
Evangelischen Landeskirche. Knapp 1800 Evangelische sind auf über 150 km² in
über 20 Wohnorten zerstreut. Zentrum der Gemeinde ist eindeutig Neresheim.
Damit ist aber auch schon das Problem der Gemeinde benannt: Es ist schwierig bis
unmöglich für die Evangelischen in den Außenorten, so etwas wie ein
Gemeindegefühl zu entwickeln, wenn die Kirche nicht im Ort ist. Es kostet Zeit,
Geld und persönliche Energie, die man aufbringen muss, um z.B. von Elchingen
nach Neresheim zum Gottesdienst oder zu einer Veranstaltung der Kirchengemeinde
zu kommen. In Dischingen steht zwar eine Kirche, aber wie wir an der Geschichte
Neresheims sehen, will auch eine kleine Gruppe von Christen nicht nur eine
Kirche, sondern am liebsten gleich einen Pfarrer mit dazu. Eine Gemeinde in der
Diaspora lebt also immer in der Spannung zwischen dem, was möglich ist an
pastoraler Versorgung, und zwischen dem was die Gemeindeglieder sich wünschten
oder bräuchten. Diese Spannung schlägt sich nicht nur in den
Fahrtkostenabrechnungen des Pfarrers nieder, sondern auch darin, dass Christen
in der Diaspora mehr als anderswo gefordert sind, ihrem Glauben selbst Gestalt
und Ausdruck zu geben.
Abschied von der Ev. Teilgemeinde Dischingen Seit 01.Januar 2007 ist die Evangelische Kirchengemeinde Dischingen ein Teil der Fleinheimer Gemeinde und somit im Gemeindeverbund Nattheim, Oggenhausen, Fleinheim, Dischingen. Im Rahmen eines "Auf- den- Weg- mach- Gottesdienstes" am 14. Januar, haben sich die Ev. Gemeinde Neresheim und die Ev. Teilgemeinde Dischingen voneinander getrennt. zurück |